Am Slogan, der hier stehen soll, wird noch geknobelt ;-)

Der Sheriff hat immer Recht

Das Wichtigste vorweg: Wer in den USA oder Kanada als Individualtourist unterwegs ist, für den geht ohne Auto nichts. Ob das nun gut oder schlecht ist, darüber lässt sich trefflich philosophieren. Wir lassen es dahingestellt. Es ist, wie es ist.

Um fahren zu dürfen, ist es ratsam, sich den gängigen EU-Führerschein zu besorgen. Zwar gibt es in Amerika nicht annähernd so viele verschiedene Klassen, wie darauf verzeichnet sind. Doch das Personal in den Autovermietungen kennt sich mit der Plastikkarte mittlerweile gut aus, und es gibt keine Probleme.

Autofahren in den USA ist, verglichen mit Europa im Allgemeinen und Deutschland im Besonderen, zum einen ganz ähnlich – und zum anderen doch völlig anders.

Bild "Land & Leute:wash_or_130.jpg"Ähnlich, weil die Verkehrsvorschriften zu 95 Prozent mit den unsrigen übereinstimmen und wir im Übrigen – ganz im Gegensatz zu Großbritannien – keinen Linksverkehr haben. Anders ist auf der anderen Seite des Atlantiks das Fahrgefühl schlechthin. Dem testosterongesteuerten deutschen Straßenmacho sei gesagt, dass er seinen Fahrstil, wenn er zwischen New York und San Francisco unterwegs ist, dringend ändern sollte. Denn auf amerikanischen Straßen geht es außerordentlich relaxed zu. Das hat einerseits damit zu tun, dass die Höchstgeschwindigkeit nur selten höher als 65 Meilen pro Stunde (105 km/h) ist. Zum anderen fahren Amerikaner grundsätzlich sehr rücksichtsvoll. Wer als Fußgänger auch nur halbwegs zur Straßenüberquerung ansetzt, wird sehen, dass ihm von Autofahrern sofort die Vorfahrt gewährt wird. Das heißt im Umkehrschluss: Amerikanische Fußgänger gehen davon aus, dass wir halten, wenn sie den Fuß auf die Straße setzen. Wer dann rücksichtslos weiterfährt, outet sich als Ignorant, der entweder schlecht drauf ist oder aus Europa kommt.

Man ist gut beraten, aufmerksam zu bleiben und defensiv zu fahren

So weit die guten Nachrichten. Die weniger gute Nachricht ist, dass viele Amerikaner denkbar schlechte Autofahrer sind – das jedenfalls ist unsere Erfahrung. Wer immer nur gemächlich auf breiten Straßen unterwegs ist, dessen Fahrkünste werden selten auf die Probe gestellt. Dazu kommt, dass in weiten Teilen des Landes – von den großen Städten einmal abgesehen – die Straßen noch immer ziemlich einsam sind. Gerade das aber verführt nicht wenige Verkehrsteilnehmer zu Oberflächlichkeit und mangelnder Aufmerksamkeit. Uns ist es einmal so ergangen, dass auf einer völlig einsamen, kerzengeraden Strecke ausgerechnet in dem Augenblick jemand aus der Seitenstraße auf den Highway bog, als wir kamen, das einzige Auto weit und breit. Durch eine Vollbremsung – selbstverständlich hatte das Auto kein ABS – konnten wir dem Crash um einige Zentimeter entgehen. Offensichtlich sind solche Vorkommnisse keine Ausnahme. Auf den einsamen Routen des Westens haben wir jede Menge weißer Kreuze auf kerzengeraden Routen gesehen – Zeichen, dass hier trotz weniger Autos und breiter Straßen so einiges passiert. Man ist also gut beraten, aufmerksam zu bleiben und defensiv zu fahren.

Von den wenigen Unterschieden zu europäischen Verkehrsregeln ist die wichtigste das Verhalten an gleichrangigen Straßen. In den Vororten der Städte oft anzutreffen ist der so genannte „4-Way-Stop“. Das bedeutet, dass an diesen Kreuzungen Fahrzeuge aus allen vier Richtungen halten müssen. Wichtig: Dann gilt nicht die Regel Rechts vor Links, sondern es ist viel einfacher: Hier darf der zuerst fahren, der zuerst da war. Oft wird dabei Handzeichen gegeben. Das ist gewöhnungsbedürftig, aber easy, wenn es man erst einmal verinnerlicht hat.

Die wichtigsten weiteren Unterschiede:

- Die Höchstgeschwindigkeit auf Interstates („Autobahnen“) beträgt 65 bis 75 m.p.h., außerhalb von Ortschaften 55 bis 65 m.p.h., in Ortschaften 25 bis 30 m.p.h. Es geht also äußerst genügsam zu.

- Die Ampel befindet sich in der Regel an der gegenüber liegenden Straßenseite, und damit hinter der Kreuzung. Man darf also nicht bis zum Lichtsignal fahren, denn dann steht man bereits mitten auf der Kreuzung.

- Rechtsabbiegen bei Rot ist in der Regel erlaubt, es sei denn ein Schild („No Turn On Red“) verbietet es. Die Voraussetzung ist natürlich, dass die Straße frei ist und auch nicht gerade von Fußgängern überquert wird.

- Auf mehrspurigen Straßen, besonders auf den breiten Highways, darf auch rechts überholt werden. Was auf deutschen Autobahnen bei Tempo 200 zur Todsünde wird, sorgt bei gemächlichem Cruisen für einen guten Verkehrsfluss. Außerdem wird der Spurwechsel erleichtert. Das zahlt sich vor allem auf den Interstates aus, die in die großen Städte hineinführen. Bei bis zu acht Spuren pro Seite zum Beispiel in Los Angeles ist es nämlich so eine Sache, die richtige Ausfahrt zu erwischen, die rechts wie links sein kann.

Ein letztes Wort zu den Ordnungshütern. Wenn der Polizeiwagen oder der Sheriff sich hinter einen geheftet hat und die Sirene kurz anschaltet, ist das die sichere Aufforderung zum sofortigen Halt. Der Beamte wird Wert darauf legen, die Hände des Fahrers zu sehen, die man am besten aufs Lenkrad legt. Angebrochene alkoholische Getränke sollten sich in diesem Augenblick nicht im Wageninnenraum befinden. Und ansonsten gilt: Der Sheriff kontrolliert selten, aber wenn, dann hat er natürlich immer Recht.

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