Am Slogan, der hier stehen soll, wird noch geknobelt ;-)

Von trügerischen Statistiken

Oft werden wir von Leuten, die sich mit dem Gedanken an einen Amerika-Urlaub tragen, gefragt, wie es denn dort mit der Sicherheit bestellt sei und ob es mit Kriminalität Probleme gebe. Wir spüren dann, dass über das völlig normale Sicherheitsbedürfnis hinaus bei Manchem noch starke Vorurteile mitschwingen. Wenn Hollywood ganze Arbeit geleistet hat, denken wir in solchen Momenten, dann  auch mit der Vermittlung eines latenten Bildes von Verbrechen und Gewalt, das mit den USA, wie sie der normale Besucher in zwei, drei Wochen Urlaub erlebt, bestimmt nicht viel zu tun hat.

Bild "News:new_york_polizei_1.jpg"Wie festgefügt die Vorurteile sind, konnte man erleben, als die Stadt New York ihre Kriminalitätsstatistik für 2010 veröffentlichte. „Die Mordrate in New York steigt drastisch" titelten deutsche Zeitungen. Sie stützten die Aussage auf die Tatsache, dass 2010 in der US-Metropole 532 Menschen ermordet worden seien – ein Anstieg um 13 Prozent gegenüber dem Vorjahr. So weit, so schlecht. Zweifellos ist das schlimm genug und jeder einzelne Mord einer zuviel – keine Frage. Dennoch fiel in der Berichterstattung eine für die Einordnung zweifellos sehr wichtige Tatsache in weiten Teilen unter den Tisch. Die New Yorker Behörden wiesen nämlich ebenfalls darauf hin, dass es sich trotz des Anstiegs um die viertniedrigste Mordrate seit 1962 handele. Doch das fand sich bestenfalls im Kleingedruckten wieder. Und: Mehr als jedes zweite Mordopfer sei von einem ihm bekannten Täter erschossen worden. Es handelt sich damit um eine Art von Beziehungsdelikten, mit denen ein normaler Besucher im USA-Urlaub nicht in Berührung kommt, wenn er ein paar wenige Grundregeln beachtet.

Die wichtigste Regel lautet: In Großstädten Problembezirke (bad neighborhoods) meiden. Bleiben wir in New York. In Manhattan ist man sicher, wenn man nicht gerade mitten in der Nacht an einsamen Orten spazieren geht oder nach 24 Uhr die Subway benutzt. Doch das ist keine  Vorsichtsregel, die man nicht auch in europäischen Großstädten anwenden würde. Etwas ganz anderes stellen die Bronx oder Teile Brooklyns dar. Diese Gegenden sollten Besucher grundsätzlich meiden, was übrigens in jedem Touristenführer steht. „Wenn Sie ein afroamerikanischer Teenager im nördlichen Brooklyn oder in der Bronx sind, ist ihr Risiko viel höher als das von anderen Leuten, Opfer eines Verbrechens zu werden", erklärte der New Yorker Kriminalistikprofessor Eugene O'Donnell zu der Statistik von 2010. Doch auch er sagt: „Große Teile der Stadt sind weitgehend sicher."

Als wir an der Schwelle zum Jahr 2000 auf dem Times-Square in New York zusammen mit 5 Millionen anderen Menschen das neue Jahrtausend einläuteten, wäre uns nicht im Traum eingefallen, dass es an diesem Ort unsicher sein könnte. Grund dafür war vielleicht nicht nur die euphorische Stimmung, sondern auch die Polizeipräsenz auf den Straßen. Derzeit sind ungefähr 35.000 Polizisten in Diensten der Stadt. Sie haben dafür gesorgt, dass New York bedeutend sicherer geworden ist als zu anderen Zeiten. Noch 1990 hatte die Stadt mit 2.245 Morden einen traurigen Rekord in Sachen Kriminalität aufgestellt. Die Zeiten haben sich zum Glück geändert, was nicht heißt, dass auf den Straßen Manhattans der ewige Friede ausgebrochen sei. Aber es heißt: Sicher zu reisen ist in den USA keine Glückssache, sondern für jeden möglich, der Umsicht walten lässt, keine Problembezirke aufsucht und sich natürlich auch sonst so verhält, dass ihm kein Ärger droht.

<<< zur @=News:Übersicht=@